Die Geschichte der Städtepartnerschaft

Von der nachgeholten Hochzeitsreise zur lebendigen Städtepartnerschaft

Unsere Städtepartnerschaft mit Bassano del Grappa hat aus Mühlacker Sicht eine ganz nette und persönliche Vorgeschichte, die sogar bis in die 50er Jahre des vorigen Jahrhunderts zurückreicht. Das Ehepaar Frank und Christa Fuchs brach 1956 zusammen mit zwei Freundinnen auf Motorrollern zu einer nachgeholten Hochzeitsreise auf. Erklärungsbedarf besteht sicher, warum gerade Bassano das Ziel sein sollte, und warum zwei Begleiterinnen bei einer verspäteten Hochzeitsreise dabei waren … – aber eine der beiden, Hildegard Magenreuter, hatte in Bassano del Grappa Verwandte, die sich noch nie besucht hatten. Tatsächlich erreichten die vier ihr Ziel jenseits der Alpen.

Frank Fuchs (+2008)

Frank Fuchs (+2008)

Und ganz unversehens blieben Frank Fuchs und seine Frau, die eigentlich auf eigene Faust weiterreisen wollten, in Bassano hängen… Die Gastfreundschaft einer Familie Simioni war einfach überwältigend. Die Eheleute Fuchs wurden kurzerhand bei der Schwägerin von “Mamma Simioni” einquartiert, einer Familie namens Parisotto, die für die spätere Entwicklung der Beziehungen zwischen Bassano und Mühlacker gleichfalls noch mitentscheidend werden sollte.

So um 1960 kamen die ersten jungen Leute aus Bassano zu längeren Aufenthalten nach Mühlacker, um sich sprachlich und beruflich weiterzubilden. Frank Fuchs hatte dann tatsächlich schon in den 60er Jahren den insgeheimen Gedanken, dass sich beide Städte eigentlich näher kommen könnten. Aber es sollte doch noch einige Jahre dauern, bis es endlich zu konkreten Schritten kam. Im Februar 1975 rief ihn Orazio Parisotto, der Sohn jener ersten Gastgeber-Familie, an. Er plante mit jungen Leuten der Europäischen Gruppe von Bassano eine Reise zum Europa-Parlament nach Strasbourg, und dabei sollte in Mühlacker eine Zwischenstation sein. Der damalige Oberbürgermeister Gerhard Knapp versprach spontan einen Empfang für die Gäste und auch gleich eine Stadtrundfahrt. Und auch der damalige Stadtjugendring sagte zu, an der Betreuung der italienischen Gäste mitwirken zu wollen. An einem März-Wochenende 1975 war es dann soweit. Es war dann die endgültige Weichenstellung für unsere mittlerweile mehr als 25 Jahre [Anmerkung: 2008 werden es nun schon 30 Jahre] währende, von tiefer Freundschaft geprägten Städtepartnerschaft. –

So weit Auszüge aus einem Rückblick von Frank Fuchs, einem der Väter unserer Städtepartnerschaft.

Weiter geht’s mit Erinnerungen von Gerhard Knapp, dem langjährigen Oberbürgermeister und Ehrenbürger sowohl von Mühlacker als auch Bassano del Grappa.

Pietro Fabris und Gerhard Knapp

Pietro Fabris und Gerhard Knapp (re.), die “kommunalen Väter” der Partnerschaft zwischen Mühlacker und Bassano, beim Straßenfest 2013

Er erzählt: “Ich war damals hoch erfreut, als sich Mitte der 70er Jahre Anknüpfungspunkte nach Italien ergaben und sich der Besuch aus Bassano angesagt hatte”. Nun folgte für ihn die erste Überraschung: Es kündigten sich auch der Bürgermeister und einige Stadträte aus Bassano an. Damit erhielt der Besuch für Mühlacker einen offiziellen Charakter. Bei der Verabschiedung am Montag dann die zweite Überraschung: Der Leiter der Besuchergruppe, Orazio Parisotto, präsentierte eine kunstvoll auf Pergament geschriebene “Freundschaftserklärung” mit der Bitte, die beiden Bürgermeister mögen dieselbe unterzeichnen. Heute ist diese Urkunde zweifellos das erste gemeinsame Dokument und in einer Glasvitrine im Rathaus ausgestellt.

Noch im Sommer 1975 fuhr Gerhard Knapp mit seiner Frau Margot absolut privat nach Bassano. Sein erster Eindruck: “Wir waren von Land und Leuten sehr angetan”. Im Mai 1976 machte sich dann eine erste Mühlacker Gruppe auf gen Süden, bestehend aus Stadträten, Mitgliedern des Stadtjugendrings, Mitarbeitern der Stadtverwaltung, dem Ehepaar Fuchs und Luigi Buonadonna als Betreuer und Sprecher seiner italienischen Landsleute in Mühlacker. Bei einem fröhlichen Beisammensein mit allen Gastgebern sprachen Bürgermeister Pietro Fabris und OB Knapp zum ersten Mal über eine Städtepartnerschaft: “Dabei waren wir uns einig, dass eine solche Beziehung von den Bürgerinnen und Bürgern beider Städte getragen und mit Leben erfüllt werden müsse”. Das Straßenfest wurde ab 1977 regelmäßig durch einen Wein- und Käsestand aus Bassano bereichert (und damit eine Tradition begründet, die sich bis heute gehalten hat).

Die Partnerschaftsurkunde aus dem Jahr 1978

Die Partnerschaftsurkunde aus dem Jahr 1978

Anfang 1978 waren die kommunalen Gremien in beiden Städten übereingekommen, die offizielle Partnerschaft als “Beitrag zur Versöhnung und Verständigung zwischen den Völkern” im Sinne der europäischen Einigung zu besiegeln. Im Mai 1978 fand das Festwochenende in Bassano und ein Jahr später die Gegenfeier in Mühlacker statt, jeweils unter großer Anteilnahme der Bevölkerung und mit stets mehreren hundert Gästen aus der jeweiligen Partnerstadt. In den folgenden mehr als zweieinhalb Jahrzehnten erfuhr die Partnerschaft durch Bürger und Vereine aus beiden Städten immer wieder neue Impulse – zuletzt ganz groß beim 25. Partnerschaftsjubiläum, das im Frühsommer in Mühlacker 2003 gefeiert wurde, und beim Stadtjubiläum im Sommer 2005 ebenfalls in Mühlacker.

Einen humorvollen Beitrag über das Engagement und den tragenden Gedanken der Städtepartnerschaft aus der Sicht der Einwohner lesen Sie auch auf den Seiten von Hans Schmidt, einem gebürtigen Lienzinger: “Brezeln, Rotwein und eine Städtepartnerschaft…”

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